Der Motorrad Gottesdienst: Mit heißer Maschine zum heiligen Vater
Sie sind eine familiäre Angelegenheit, Kolonnen an Bikern treffen sich quer über Deutschland verteilt zu Gottesdiensten, fahren erst einmal zusammen im Gefolge, um dann gemeinsam zu beten.
Es mutet wohl einigen Leuten etwas komisch an, wenn mit Jeans- und Lederwesten behangene Motorradgruppen die Straße besetzen und dabei nur ein Ziel haben - die nächste Kirche. Aber warum sollten Biker keine Nähe zu Gott haben und warum sollte er ihnen nicht zuhören?
Wieso und Warum: Die Geschichte der Motorradgottesdienste
Der Legende nach wurde der erste Bikergottesdienst im Jahre 1962 am Nürburgring als sogenanntes Elefantentreffen gehalten, damals von Pfarrer Manfred Dörr geleitet. „Elefanten“ werden übrigens auch Maschinen mit Beiwagen genannt. Zu diesen Treffen kamen damals Fahrer aus ganz Deutschland, oft auch noch weiter, selbst bei eisigster Kälte schwang man sich auf das Bike, um dieses Gruppengefühl zu bekommen, alte Freunde wieder zu sehen, einen Moment der Seelenruhe zu erhaschen.
1974 dann gab es erstmals ein Treffen in einer Kirche, das organisiert von Bernd-Jürgen Hamann, einem waschechten Berliner, der in den 90ern auch die erste evangelische Technomesse organisieren würde. 1979 kooperierte er zusammen mit Dörr, um die Biker auf den deutschen evangelischen Kirchentag einzuladen, seitdem werden alle zwei Jahre unterschiedliche Städte ausgewählt und angefahren.
Das ist übrigens kein deutsches Phänomen, wer also mal auf Tour gehen möchte, muss im Ausland keine Entzugserscheinungen fürchten.
Heute
Dörr und Hamann sind leider nicht mehr, kurven jetzt wohl mit himmlischen Maschinen im Himmel herum, aber der Geist lebt weiter, denn mittlerweile sind Bikergottesdienste überall in Deutschland zu finden, ob nun von Clubs organisiert oder frei zusammengewürfelt, willkommen ist jeder, selbst ohne Untersatz (wennauch der Spaß dadurch teilweise auf der sprichwörtlichen Strecke bleibt). Auch Gedenkfahrten für verstorbene Freunde und Bekannte werden veranstaltet und nicht selten wird so einem Kollegen auf der Straße die letzte Ehre erwiesen, wenn hunderte röhrende Maschinen bis zu den Himmelstoren erklingen…
andere interessante Beiträge
Liebe Leute,
gerade habe ich mal den Namen meines lieben, leider vor fast 6 Jahren verstorbenen Manfred gegoogelt, um zu sehen, ob er noch irgendwo im Netz auftaucht, und bin dabei auf Euren Artikel über die Biker-Gottesdienste gestoßen. Das hat mich doch sehr berührt, dass Ihr noch ehrend an ihn als den Begründer der Motorradfahrer-Seelsorge denkt! Danke!
(Ich bin seine “Besere Hälfte”, die ihn noch oft sehr vermisst, wenn auch nicht beim Biken, denn das habe ich nie gelernt…)
Allzeit gesegnete Fahrt unter den Flügeln Eurer Schutzengel wünscht Euch
Annelie Dörr
