Schalten lassen: Automatik in der Aprilia Mana X

Autor: Valentino

Tendenziell ist die Motorradszene von Traditionalisten geprägt: Sobald größere Neuerungen wie Wasserkühlung, ABS oder Turboaufladung auf den Markt kommen, geht das Schulterzucken los. Manche Innovation hat sich mit der Zeit etablieren können, andere erwiesen sich als offensichtlich ungewünscht. Auch alternative Kraftübertragungen erfahren diese vornehme Zurückhaltung. Allenfalls wird toleriert, dass die manuelle Gangwahl mit Kupplung entweder am Lenker oder mittels Schalthebel stattfindet.

Aprilia reanimiert stufenlose Automatik

Das, was sonst typischerweise Rollern oder Autos vorbehalten blieb, stellte Aprilia nun 2008 im Concept Bike Mana X vor. Ein für Zweiräder dieser Klasse revolutionäres Multitronicgetriebe (entweder sequentielle Hand-/Fußschaltung oder Voll-Automatik) leitet die Kraft des V2 von 850 ccm Volumen weiter. Im sequentiellen Modus gaukelt die Übertragung die Schaltstufen nur vor, das Prinzip des Stufenlosen CVT-Getriebes gleicht denen von DAF bzw. Volvo und Audi. Mit der Mana X will Aprilia nach dem Scheitern der völlig glücklosen Mana 850 (weniger als 300 verkauft) mit gleichem Antriebskonzept wieder frischen Wind in die Thematik der Schaltabstinenz bringen.

Naked, Dirt, Cruiser, Flat, Rod – Aprilianer Melange

Unklar bleibt die Kategorisierung der Mana X. Alle oben genannten Stilrichtungen finden sich in irgendeiner Weise an diesem Crossover wieder, der unverkleidete Rohrramen gewährt den Blick aufs Innenleben, die verstrebte Heckschwinge scheint im Guss oder superber Schweißarbeit entstanden zu sein. Hinzu kommen eine niedrige, kurze Sitzbank und das abgehackte Heck. Die Scheinwerfer leuchten zurückgesetzt zwischen den Gabelrohren und erinnern an den aus der Auto-Kustomszene bekannten Kniff des ‘Frenching’. Um auf das Feuer der Mana X hinzuweisen, spendierte Aprilia dem Concept Bike noch eine saubere Wicklung Thermoband um die Krümmer. Die sorgen für Kopfdrehen: der Zylinder vorn emittiert tatsächlich am vorderen Ende des Topfes durch ein kleines Kreuz, der hintere Topf konventionell in Fahrtrichtung heckwärts. Serienfertigung vorausgesetzt, werden hier Änderungen nötig.

Aprilias Eyecatcher – Reaktionen der Bikergemeinde

Die Meinung in einschlägigen Foren über Bikes mit Automatikschaltung geht überwiegend in diese Richtung: Tauglich für sei derartiges für alte Säcke und Neueinsteiger. Auch auf die Unfallgefahr dieser Gruppe wurde hingewiesen. Tragbar sei die Automatik maximal in Tourenbikes. Damit trifft diese unverblümte Abneigung tatsächlich einen Teil der beabsichtigten Kundschaft, die sich nach Vorstellungen von Aprilia aus Frauen, Motorradanfängern, Wiedereinsteigern, urbanen Biker und Genussfahrern rekrutieren soll. Andererseits, und das dürfte den italienischen Hersteller glücklicher stimmen, hatte traf die wilde Optik mit den Straßenenduropneus den Geschmack des Publikums vollkommen. Fordern wir alternativ eine reine Handschaltung?

Mehr Informationen zu Mana X gibt es hier



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